Die Moviejunkies sehen alles! — Naja, fast alles... Während wir auf www.moviejunkies.de über aktuelle Filme schreiben, findet Ihr hier Beiträge, die keine aktuellen Film-Kritiken sind, sondern "etwas nebenbei". Manchmal juckt es, über etwas zu schreiben, was noch kommen wird. Oder auch über aktuelle News.

You don't have free will, David.   Der Plan, 2011

Kerry Conrads Demo zu John Carter

Schon mal etwas von Edgar Rice Burroughs gehört? Der gute Mann war ein Wegbereiter für moderne SciFi-Geschichten. Er hat Tarzan geschrieben. Davor schrieb er jedoch die Barsoom-Geschichten um John Carter. Erster Roman war „Die Prinzessin vom Mars“.

Die Geschichte von dem auf einem fremden Planeten gestrandeten Mann, der dort zum Helden wird, die kommt einem doch bekannt vor. Burroughs schrieb seine Mars-Geschichte 1917. Flash Gordon, aus der Feder von Alex Raymond, kam knappe 20 Jahre später heraus. 1980 wurde dieser (erneut) von Mike Hodges verfilmt. Wir erinnern uns eigentlich bei dem Film nur an den Soundtrack von Queen … 😉

Oder James Camerons Avatar — auch nur ein Abklatsch von Burroughs Mars-Geschichten. Wieso wurde dann noch nie diese Geschichte verfilmt?

John Carter – Mehrere Anläufe

Seit 1931 haben sich diverse Filmemacher an dem Stoff versucht. Bob Clampett (die alten Looney Tunes-Cartoons haben wir ihm zu verdanken), der legendäre Ray Harryhausen, Terminator 2– und Terminator 3-Produzent Mario Kassar sowie Predator-Regisseur John McTiernan hatten ihre Finger schon an der Geschichte. Ebenso Robert Rodriguez (Sin City) und Iron Man-Regisseur Jon Favreau. Doch bisher ist es nie etwas geworden. Bis der zweifache Oscar-Gewinner Andrew Stanton den Zuschlag bekommen hat. Stanton hat uns Findet Nemo und WALL-E beschert.

Anfang März kommt nun sein Film John Carter in die deutschen Kinos.

Bevor Paramount Stanton die Geschichte anvertraute, haben sie jedoch andere Regisseure an dem Projekt schnüffeln lassen. So durfte sich auch Sky Captain-Regisseur Kerry Conrad an Burroughs Figur wagen. Sein Konzeptdesign hat dann interessanterweise ziemlich viel Ähnlichkeit mit dem, womit Stanton aufwartet.

Conrads Material schaute so aus:

Wohingegen Stantons John Carter so aussehen wird:

Bei Stantons John Carter habe ich etwas Angst. Was ich sehe, erinnert mich etwas an die neuen, verhunzten Star Wars-Filme. Ich sehe eine Arena, ein böses Biest wird mit Hilfe einer Kette besiegt, die Mars-Bewohner haben eine gewisse Ähnlichkeit mit dem verhassten Jar Jar Binks und wenn der Held John Carter mit blauem Blut besudelt dasteht, muss ich unweigerlich an den Schlümpfe-im-Weltall-Film Avatar denken. Also so ein bisschen Befürchtung habe ich schon …

Universal Pictures wird 100 und feiert mit 13 Neuveröffentlichungen

Neues Logo für Universal Pictures
Filmproduktionsstudio Universal Pictures wird 100 Jahre alt, gönnt sich ein neues Logo und spendiert den Fans 13 restaurierte Filmklassiker.

Das Produktionsstudio Universal Pictures wurde vor 100 Jahren gegründet. Universal hat uns über die Jahre viele, viele Klassiker beschert. Bei diesem runden Geburtstag ist es an der Zeit, etwas zu feiern.

In den 100 Jahren seines Bestehens hat sich Universal von Zeit zu Zeit ein neues Logo gegönnt. Nun ein neues, kristallklares, zeitgemäßes Logo. Das ist das, was Universal für sich selber macht. Doch Universal bietet auch seinen Zuschauern etwas. Insgesamt 13 Klassiker aus dem eigenen Hause wurden restauriert.

Der Anti-Kriegsfilm Im Westen nichts Neues von 1930 gehört dazu, ebenso wie Alfred Hitchcocks Die Vögel von 1963. Außerdem werden Filme wie Abbott und Castellos Komödie Buck Privates (1941), der erste Dracula (1931) mit Bela Lugosi, die spanische Variante von Dracula (am selben Set des Nachts gefilmt), Frankenstein (1931) mit Boris Karloff und Frankensteins Braut (1935) restauriert. Etwas mehr in der Neuzeit angesiedelt sind Steven Spielbergs Der weiße Hai, der siebenfache Oscar-Gewinner Der Clou (1973) mit Robert Redford und Paul Newman, Jenseits von Afrika (1985) — ebenfalls mit Redford und Spielbergs Schindler’s List (1993). Doch auch die leichte Komödie Bettgeflüster (1953) mit Doris Day und Rock Hudson ist dabei, ebenso wie das Drama Wer die Nachtigall stört (1962) mit Gregory Eck.

All diese Klassiker werden ab 31. Januar in einer Blu-ray Edition erscheinen. Ich denke einmal, das Veröffentlichungsdatum bezieht sich auf die USA. Den Anfang macht der dreifache Oscar-Gewinner Wer die Nachtigall stört, die weiteren Filme erscheinen dann übers Jahr verteilt.

Die Restauration jedes Films hat zwischen drei und sechs Monate gedauert und zwischen 250.000 und 600.000 Dollar gekostet. Was wie eine reine Geldmaschinerie klingt, wurde von Universales SVP Technical Operation Michael Daruty so kommentiert:

This restoration effort was not about marketability and whether we’re gonna sell enough DVDs. That is what we do on a daily basis, but this was a commitment by the company to say, ‚We’re gonna devote funding and most probably continue that effort year over year, to try and preserve and restore the legacy of the company. We’re here to spend the money on these 13 titles and some others, whether we’re gonna get our money back in that first year or not.‘ It’s really refreshing.

Also etwas für Filmliebhaber — von Filmliebhabern.

Das neue Logo erscheint das erste Mal beim Animationsfilm Der Lorax, der in Deutschland im July, in den Staaten Anfang März in die Kinos kommen wird.

Zeitanomalie bei Hitchcock

Wir kennen das alle aus SciFi-Literatur. Oder aus Star Trek. Die Rede ist von Zeitanomalien. Oftmals durch Zeitreise und ähnlichen Schweinkarm ausgelöst. Zum Glück ist das ja alles nur Fiktion. Oder?

Die Zeitmaschine
Zeitmaschine (Quelle)

Ich bin in den 1970ern geboren. Somit habe ich aus verständlichen Gründen diverse „Klassiker“ des Films nicht im Kino gesehen. Man schaut sich mit sechs Jahren nicht Alien an. Der Pate lief im Kino an, da war ich noch nicht einmal geboren. Also: Alles ganz richtig so.

Dafür hat man dann später Filme im Fernsehen oder noch später auf DVD gesehen. Meistens in loser Reihenfolge, wie sie einem gerade unter kamen. Klassischer Sonntagnachmittagsfilm war Über den Dächern von Nizza mit Cary Grant und Grace Kelly. Ein wunderbarer Film von Alt-Meister Alfred Hitchcock. Wie in den meisten Hitchcock-Filmen hat der rundliche Mann auch in diesem Film einen Cameo-Auftritt.

Ziemlich am Anfang des Films wird Grants Charakter von der französischen Polizei gesucht. Während seine Haushälterin mit dem Auto flieht und die Polizei hinter fährt, entkommt John Robie ganz gelassen in einem Bus. Er setzt sich auf die Hinterbank. Zu seiner Rechten sitzt eine Frau mit einem Käfig, in dem Vögel hocken. Cary Grant schaut runter, schaut hoch, guckt nach links. Da sitzt Alfred Hitchcock.

Wir sahen Über den Dächern von Nizza erst kürzlich im Metropolis im Rahmen der Reihe „Diven“. Als ich die Szene zum ich-weiß-nicht-wie-vielten Male sah, musste ich erneut grinsen und freute mich königlich über diese nette, kleine Anspielung an Hitchcocks Film Die Vögel. Ich meine, wie lustig ist das? Der Mann, der einen Horror-Film über Vögel macht, hockt da neben einem, während auf der anderen Seite ein Käfig mit Piepmatzen steht. Das ist richtig gut!

Aber unmöglich!

Ein futuristischer Witz

Ich ging immer davon aus, dass Hitchcock in Über den Dächern von Nizza eine lustige Anspielung an seinen eigenen Film Die Vögel gemacht hat. Immer! Nur geht das nicht. Über den Dächern von Nizza ist 1955 gedreht worden, Die Vögel acht Jahre später, also 1963. Wie kann er acht Jahre zuvor einen Witz auf einen noch gar nicht abgedrehten, gar nicht angedachten Film machen? Wie konnte der Witz 1955 wirken? Es gab doch gar keine Referenz, auf die sich der Regisseur (und somit der Zuschauer) da hätte beziehen können.

Hat in diesem Fall die Matrix etwas durcheinander gebracht? Ist Hitchcock ein Zeitreisender gewesen? Oder geht hier irgendwas an mir vorbei …?

Erster Trailer zu Peter Jacksons „Der Hobbit“

Frühmorgendlicher Twitter-Stream-Check ergab: Der erste Der Hobbit-Trailer ist da! Sofort angeschaut. Muss man ja als Moviejunkie. Um es gleich vorwegzunehmen: Ich war doch irgendwie enttäuscht. Ein Kollege schrieb gleich, er hätte eine Gänsehaut bekommen, als die Zwerge anfingen zu singen. Diese Gefühlsregung wollte bei mir nicht aufkommen.

Schon die Vorstellung aller Zwerge war — da darf ich einen anderen Kollegen zitieren — albern. Das liegt einfach an der Tatsache, dass die Namen alle gleich klingen und dazu noch etwas Slapstick gezeigt wird. Schnell wurde mir wieder bewusst, dass Der Hobbit eigentlich ein Kinderbuch ist. Wir sind nur durch die Herr der Ringe-Filme und -Romane „verwöhnt“.

Na schön, hat Peter Jackson also ein Kinderbuch verfilmt. Vermutlich wird er es etwas epischer und breiter und düsterer anlegen, als es das Buch selber ist. Die Klett-Cotta-Ausgabe hat gerade mal 310 Seiten; Jackson macht einen Zweiteiler draus. Da wird also schon etwas „mehr“ sein.

Was mich störte an dem Trailer? Er wirkte zu geleckt. Man sieht ihm zu sehr an, dass eine Menge vor dem Greenscreen gemacht wurde. Und da war noch etwas … Bei den Kamerafahrten um die Objekte herum fiel es mir dann ein: Das ist doch alles nur wegen 3D. Und siehe da. Natürlich ist auch Der Hobbit in 3D gedreht. Weil es ja nichts mehr gibt, was ohne ist … Darf ich also Ende 2012 schauen, wie ich den Film in der Kindervorstellung — und damit in 2D — zu sehen bekomme. Das wird ganz schön schwer.

Vielleicht geht ja aber auch vorher die Welt unter, wie prophezeit. Dann muss ich mir um 3D keine Gedanken mehr machen.

Eigentlich hatte ich mich auf den Film gefreut …

Trailer zu Joss Whedon-Streifen „The Cabin in the Woods“

Och nö, nicht schon wieder ein Teenie-Horror-Film nach Schema F. Wer hat denn dafür Geld locker gemacht? Und wer zum Teufel ist der Typ, der Regie führt? Drew Goddard kennt doch kein Schwein. Das ist auch noch sein Erstlingswerk als Regisseur? Puh …

Doch wartet mal. Ein bisschen unter die Haube geschaut und siehe da, es kommen doch einige Dinge bekannt vor. Die Geschichte zu The Cabin in the Woods kommt von niemand geringerem als Mr. Fantasy himself: Joss Whedon — der zudem Produzent ist. Regisseur Goddard ist einer der Schreiberlinge von Buffy, Angel und Lost. Jetzt wird’s doch langsam interessant, gell!?

Wo Whedon seine Finger im Spiel hat, gibt er in der Regel auch „seinen Leuten“ Rollen. Neben Thor-Darsteller Chris Hemsworth finden sich Schauspieler aus dem Whedonversum: Fran Kranz, der das Genie in der leider kurzlebigen Serie Dollhouse spielte. Oder die liebliche Amy Acker, die wir aus Angel kennen. Dann ist auch noch Tom Lenk aus Buffy dabei. Da fühlt man sich doch gleich wieder heimisch.

Und der Film? Ist das nun ein typischer Teenie-Horror-Streifen? Schaut nicht so aus. Eher wie klassischer Horror gemischt mit Hightech-Versuchsanstalt oder so.

The Cabin in the Woods erscheint Mitte April in den USA.

Das Metropolis Hamburg nach der Wiedereröffnung

Das kleine Metropolis-Kino in Hamburg … viel musste es ertragen. Erst wurde es vertrieben. Das Kino musste aus seinen angestammten Räumlichkeiten an der Dammtorstraße weichen, weil dort ein neues Bürogebäude gebaut werden sollte. Mit Sack und Pack ging es ins ehemalige Savoy am Steindamm in St. Georg. Eigentlich sollte das Metropolis Anfang September wieder an den alten Platz umziehen. Da aber im Juni ein Platzregen die Baustelle geflutet hatte, verzögerten sich die Bauarbeiten. Am 1. November 2011 war es dann soweit: Das Metropolis war wieder (fast) da, wo es vor seinem Exil gestartet war.

Früher ging man von der Dammtorstraße durch einen Durchgang in einen kleinen Innenhof. Von dort ging es ein paar Stufen hoch und man war im Foyer des alten Kinos, das keinen Mainstream zeigt, dafür aber ausgefallene Festivals veranstaltet und alte Filme zeigt. Kein Wunder, steckt doch hinter dem Kino die Initiative Kommunales Hamburg e.V., die es sich zur Aufgabe gemacht hat

(…) das Verständnis für den Film und andere audiovisuelle Medien als künstlerische und informative Medien zu wecken, filmhistorische Kenntnisse zu vermitteln, praktische Medienarbeit zu unterstützen und Aspekte der Filmkultur ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu tragen.

Ich arbeite direkte neben dem neuen Bürogebäude und konnte immer auf die Baustelle schauen. Ich wusste, dass das Metropolis wieder an seinen alten Platz kommen sollte, konnte aber beim besten Willen nichts ausmachen, was wie ein Kinosaal aussehen könnte.

Metropolis in neuer Umgebung im alten Glanz

Metropolis EingangDerzeit ist das Bürogebäude, das so genannte Metropolis-Haus, noch von der Dammtorstraße „gesperrt“. Immer noch stehen hier Bauzäune und Baucontainer. Selbst wie die weg wären — man würde den Eingang nicht sehen. An der Dammtorstraße befindet der sich nämlich gar nicht mehr. Man muss rechts neben der Staatsoper in die Kleine Theaterstraße gehen und dann die Augen aufhalten. Für meinen Geschmack sehr unauffällig, weil an die kühle Umgebung des teuren Gebäudes angepasst, befindet sich der Eingang.

Oben bezahlt man seine 6 Euro (resp. 4 Euro, wenn man Mitglied ist) und geht dann die Treppen runter. Oder man nimmt den Fahrstuhl. In der nächsten Etage befinden sich einige Sessel und eine Bar. An den Wänden hängen Ölbilder, man geht auf einem roten Teppich. Hier kommt man auf die Balkone — wenn sie geöffnet werden.

Noch eine Etage tiefer befindet sich der Eingang zum eigentlichen Kinosaal.

Ein Hauch von Nostalgie

Metropolis SaalDer Saal ist wie damals auch nicht gerade groß. Nach vorne ist er ansteigend, damit man auch noch in den vorderen Reihen die Leinwand sehen kann. Die Bestuhlung ist die alte, der Vorhang vor der Leinwand vermutlich auch. Ebenso die Lampen an den Wänden. Pünktlich zum Filmbeginn ertönt ein altmodischer Gong. Das ist alles nett und nostalgisch.

Dennoch kommt kein „Hach, die guten alten Zeiten“-Gefühl auf. Wie schon erwähnt ist der Eingang angepasst modern. „Metropolis“ mit Laser ins Metall gefressen, steht am Eingang. Der Kassenbereich ist steril. Die Wände bestehen bis in die untere Etage aus nackten Betonelementen. Das wirkt nicht heimlich und einladend. Im Erdgeschoss (also oben) liegen ein paar rote Läufer auf grauem Betonfußboden. Das gefällt alle überhaupt nicht. Da können auch die expressionistischen Ölbilder an den Wänden nicht ablenken.

Also ganz grob gesagt: Das Metropolis musste sich seiner sterilen, durchgestylten, Hippen, teuren Umgebung anpassen, was ihm durchaus schadet. Erst im eigentlichen Kinosaal kommt etwas Erinnern an alte Zeiten durch.

Das Kino punktet somit hauptsächlich durch seine Filme. Denn eines sei gesagt: Auch wenn man den einen oder anderen Film mittlerweile in- und auswendig kennt, schaut man ihn sich auf Großleinwand im Kino an, so wie es vielleicht einst die Eltern getan haben, als der Film das erste Mal ins Kino kam — das hat was und bringt richtig Spaß. Wir sahen als ersten Film, einen Monat nach Wiedereröffnung, Lohn der Angst mit Yves Montand und Peter van Eyck. Den haben meine Eltern tatsächlich „damals“ gesehen.

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