Wo kann man noch in Hamburg ins Kino gehen?
Hamburg ist eine große Stadt. Keine Weltstadt — was sie es immer gerne wäre —, aber immerhin nicht klein. Seit Jahren erleben wir auch in Hamburg das kontinuierliche Kinosterben. Das Grindel: ist Geschichte. Der noch recht frisch renovierte Ufa-Palast am Gänsemarkt: einem Bürogebäude gewichen. Das Savoy am Steindamm musste kurz nach der Generalüberholung schließen und bietet nach einer traurigen Daseinsübergangsphase als Teppichlager derzeit dem Metropolis Asyl. Das Neue Broadway am Hauptbahnhof ist auch nicht mehr. Dann ging es dem Passage in der Mönckebergstraße an den Kragen, doch das konnte gerettet werden. Nun ist das Streit’s dran und muss 2013 die Räume im Streit’s Haus (!) räumen.
Ja, sie werden weniger in Hamburg, die Kinos. Ich weiß noch, früher, da konnte man vor dem Cinemaxx am Dammtor stehen und wenn der gewünschte Film nicht lief oder ausverkauft war, dann wich man eben schnell zum Gänsemarkt aus. Wenn es da auch nichts wurde, schnell rein in den 5er und ab zum Grindel. Solche Freiheiten hat man heutzutage nicht mehr.
Das Fiese ist: Während die Anzahl der Kinos immer weniger wird und man von Jahr zu Jahr mehr eingeschränkt wird, kommt noch die Technik hinzu, die einem den Gang ins Kino erschwert. Das leidige Thema 3D. Es wurde aus der Mottenkiste gezerrt, weil die Filmstudios sich davon noch Mehreinnahmen erhoffen. Denn so ein 3D-Film, den kann man ja nicht mit der aus dem Internet gezogenen Raubkopie erleben. Nein, das „Feeling“ gibt es nur im Kino! Also wird die Technik mit Brachialgewalt durchgeprügelt.
Selbst Leute die mit dem Kino ihr Geld verdienen, sehen keinen Sinn darin:

In ausgewählten Kinos in 2D
Dabei schneidet sich die Industrie damit doch nur ins eigene Fleisch! Heutzutage kommt irgendwie gefühlt jeder Film als 3D-„Erlebnis“ daher. Wenn man das aber nicht mag und lieber den Streifen im guten, alten 2D sehen möchte, dann hat man ein Problem. Man wird genötigt! Man muss den Film in 3D schauen. Oder eben nicht.
Zwar heißt es immer so vollmundig, dieser oder jener Film liefe in 3D sowie „in ausgesuchten Kinos“ auch in 2D — aber wo sind denn bitte, diese ausgesuchten Kinos?
Aktuelles Beispiel Thor. Die Comic-Verfilmung aus dem Hause Marvel um den nordischen Donnergott wurde (natürlich) in 3D gedreht. Schaut man unten aufs Plakat (oder auf die letzten Sekunden im Trailer), sieht man den Hinweis mit den ausgesuchten Kinos:

Gut. Ich möchte Thor in 2D sehen. Wo? Ein Blick auf den Kinofahrplan verrät mir, dass der Film nur in 3D läuft. Ein einziges Kino scheint den Streifen vom Shakespeare-Schauspieler Kenneth Branagh in 2D zu zeigen: das Hansa-Filmstudio. Das was? Das Hansa-Filmstudio. Wo das liegt? Na am Popo von Hamburg, in Bergedorf.
Das sind Eure „ausgesuchten Kinos“? Ne. Dann lieber warten, bis er billig auf DVD herauskommt. Auch schon, um den Filmindustrie nur das Nötigste an Geld in den Rachen zu werfen … Drei Euro für 3D-Zuschlag … *pff*
9 Millionen Dollar extra für Green Lantern FX
Während Marvel am laufenden Band Superhelden-Comics ins Filmformat bringt, tut sich DC damit schwer. In den 70ern/80ern gab es Superman mit Christopher Reeve, dann nichts. Später eine nicht ganz so erfolgreiche Fortsetzung unter der Regie von Bryan Singer. Ende der Achtziger und in den 90ern gab es noch Batman, doch als Tim Burton den Regie-Stuhl verließ und stattdessen Joel Schumacher das Kommando übernahm – da war das Franchise gestorben. Schumacher hat in den 90er-Jahre-Batman gnadenlos zerstört. Erst mit Christopher Nolan ergatterte sich DC einen Goldesel. Seine Batman-Filme mit Christian Bale sind ganz groß!
In diesem Sommer soll endlich ein weiterer Held aus dem DC-Universum die Leinwand füllen. Auf Green Lantern/ Hal Jordan liegt die Hoffnung. Kein Wunder, dass bei dem Weltraumpolizisten alles 100% stimmen muss.
Warner hat erneut in die Tasche gegriffen und 9 Millionen Dollar locker gemacht, um die CGI-Effekte noch einmal zu überarbeiten. Damit gehen alleine 54 Mio Dollar für rund 1.400 Special Effects drauf. Man merkt, dass bei dem Film viele Beteiligten ins Schwitzen kommen.
Ich kann jedenfalls nur hoffen, dass die 9 Mio u.a. dafür ausgegeben werden, die Füße von Ryan Reynolds zu überarbeiten. Nichts gegen das sehr sehnige und muskulöse CGI-Kostüm der Grünen Leuchte. Aber grün angepinselte, nackte Füße? Geht gar nicht … Da müssen schon irgendwie Schuhe/Stiefel her. Bitte.
B-Movie Sanctum
3D ist der Heilige Gral der Kino-Industrie. Soll er zumindest sein. Immer mehr Menschen, mit denen ich mich unterhalte, lehnen allerdings 3D ab. Mancher geht soweit, überhaupt nicht mehr ins Kino zu gehen. Stattdessen lieber warten, bis der Film auf Blu-ray rauskommt und dann in 2D (!) sowie in Ruhe vor dem heimischen Viel-Zoller den Film ansehen. Ihr macht Euch mit 3D Feinde! Der erhoffte Effekt, dass Menschen ins Kino strömen, weil nur im Kinosaal das 3D-„Erlebnis“ geboten wird und somit das Kino einen Vorteil gegenüber der aus dem Internet gezogenen Raubkopie hat … geht nicht auf. (Ja, es gibt sie auch, die Hardcore-Verfechter von 3D …)
Großer Vorreiter und Verfechter von 3D ist James Cameron, der mit dem Pocahontas-trifft-Schlümpfe-Film Avatar so ziemlich der Erste war, der die neue Technik voll ausgeschöpft hat. Eine Story hat der Film nicht, also kann sich der Erfolg nur durch das ungewohnte Seherlebnis erklären.
Nun ist Cameron erneut mit „seiner“ Technik am Kinostart. Sanctum führt uns in ungeahnte Tiefen. Wie es die Süddeutsche beschreibt, scheinen es aber nur Höhenmeter (oder Tiefenmesser?) zu sein, auf denen die Protagonisten wandeln. Der Story scheint wohl jede Tiefe zu fehlen. Im Grunde wie bei Avatar auch. Cameron will die Technik pushen. Bilder, Bilder, Bilder. Geschichten sind wohl in Zeiten von 3D unwichtig geworden. Und der dumme Zuschauer scheint es zu schlucken. Aber nicht alle (s.o.).
Von der SZ hätte ich mir übrigens etwas mehr Schreibsicherheit gewünscht. Im ersten Absatz heißt es:
(…) also ergründet er, die noch nicht kartierten Gebiete der Gegenwart, vornehmlich die Untiefen des Meeres – siehe „Titanic“, „Abyss“ (…)
Und gleich weiter heißt es:
(…) und die Untiefen der digitalen Filmtechnik, Schwerpunkt 3D – da hat er mit „Avatar“ den bislang geltenden Maßstab gesetzt.
Da haben sie 50 Prozent richtig behandelt. 3D ist ein Fall von „Untiefen“, also seichtem Wasser. Wohingegen das Meer, das echte Nass da draußen, das ist tief. Gerade auch in Abyss. Klassischer Fehler mit den Untiefen … *tsts*
Sofern er nicht in der Sneak läuft, werde ich mir Sanktum jedenfalls nicht anschauen. Cineastische Untiefen – hier richtig eingesetzt -, die mit 3D in Tiefen umgewandelt werden sollen, brauche ich nicht …
Rise of the Planet of the Apes
Ich gehöre zu der Generation, die zwar Charlton Heston nicht im Kino gesehen haben, als er gegen die Affen gekämpft hat, aber ich bin einer derjenigen, die zumindest im Fernsehen den Krieg zwischen Affen und Menschen hat miterleben dürfen. Natürlich immer irgendwann spät abends, heimlich.
38 Jahre nach dem letzten „Planet der Affen“-Ur-Film (und zehn Jahre nach dem mäßig erfolgreichen Remake von Tim Burton) kommt dieses Jahr ein Prequel in die Kinosäle. Es wird die Geschichte erzählt, wie es dazu kommen konnte, dass die Affen über den Menschen triumphieren konnten. In den Hauptrollen sind James Franco und Freida Pinto zu sehen. Außerdem spielt Andy Serkis mit. Nur, dass wir ihn nicht sehen. Er spielt, wie schon bei Herr der Ringe den Gollum, in Rise of the Planet of the Apes im engen Anzug und wird komplett digitalisiert. Serkis mimt den intelligenten Affen Caesar.
Der Trailer schaut gut aus. WETA, die ebenfalls bei Herr der Ringe mit an Bord waren, zeichnen für die Special Effects verantwortlich. Was mich stört, ist in der letzten Sequenz der Affe. Wenn er „nachdenklich“ schaut und die Augen leicht bewegt, dann wirkt das alles zu menschlich auf mich. Der Mund ist ebenfalls zu menschlich. Ich hoffe, dass das noch nachbearbeitet wird und tierischer gemacht wird.
Ansonsten erhoffe ich mir gute Unterhaltung.