Die Moviejunkies sehen alles! — Naja, fast alles... Während wir auf www.moviejunkies.de über aktuelle Filme schreiben, findet Ihr hier Beiträge, die keine aktuellen Film-Kritiken sind, sondern "etwas nebenbei". Manchmal juckt es, über etwas zu schreiben, was noch kommen wird. Oder auch über aktuelle News.

Ehrlich gesagt, geh ich sie nur kurz erschießen. Bin gleich wieder da.   Knight and Day, 2010

Der englisch-sprachige Film in Hamburg hat wieder eine Heimat

Irgendwie ist es ja schon seltsam. Hamburg rühmt sich, eine Weltstadt zu sein (was sie nicht ist) und dann tut sie sich so schwer damit, international zu sein. Also im Kino zumindest. Will man in der Hansestadt einen Film auf englisch sehen, muss man lange suchen. Die Geschichte des englischen Originalfilms in Hamburg ist eine lange und traurige.

das Savoy-Kino in Hamburg
Das neu renovierte Savoy-Kino im Steindamm 54, Hamburg.

Ich weiß noch, dass es bis 2001 englische Filme hauptsächlich im City zu sehen gab. Das City war ein Lichtspielhaus im Steindamm aus dem Jahre 1954. Als das Kino geschlossen wurde, musste das englisch-sprachige Publikum woanders Filme im Original gucken. Soweit ich mich erinnern kann, wurden von dort an die Filme in OV im Grindel gezeigt. Doch in 2008 hieß es auch hier: der letzte Vorhang fällt. Mit der Schließung des Kinos gegenüber von den Grindelhochhäusern hatte auch die beliebte Sneak Preview keine Heimat mehr. Randnotiz: Wo einst das Grindel war, ist nun ein Drogeriemarkt drin …

Vom Grindel wanderten die Liebhaber des englischen Originals in die Innenstadt, in die Nähe vom Gänsemarkt. Bis 2013 konnte man im Streit’s seinen Durst nach den Originalstimmen von den Hollywoodgrößen stillen. Bis auch dieses Kino geschlossen wurde und dem Einzelhandel weichen musste.

Die Sneak Preview ging ins einige hundert Meter entfernt liegende Passage in der Mönckebergstraße. Nun hat das Warten ein Ende. Wie von mir immer vermutet, ist die neue Heimat des englischen Films in Hamburg das sanierte Savoy im eher schmuddeligen Steindamm. Also ist der englisch-sprachige Film im Grunde wieder zurück zu seinen Wurzeln (des ausgehenden 20. Jahrhunderts) gekommen.

Filme auf englisch schaut man jetzt im Savoy

Das Savoy wiederum hat zuletzt auch eine turbulente Zeit hinter sich gebracht. Ich weiß noch, dass es 1994 umgebaut wurde. Einer der ersten Filme, die dort liefen war Species, den ich dort auch sah. Nur vier Jahre nach der Grundsanierung schloss es. Soweit ich informiert bin, war es dann eine Zeit lang ein Teppichlager, bis es dem Metropolis als Asylstätte diente. Allerdings sollte es nach dem Auszug des Metropolis-Kinos abgerissen werden. Das konnte zum Glück verhindert werden. Nun strahlt das Savoy im neuen Glanz. Und die Liebhaber von Filmen im englischen Original haben auch wieder eine Anlaufstelle.

Da die Filmstudios einen so hohen Druck machen, musste auch das Savoy im Steindamm seinen Projektor auf 3D umstellen. Neben diesem unnützen Gimmick wurden auch die Sessel alle ausgetauscht und sind nun modern und angenehm.

Das endgültige Aus für das Streit’s Hamburg

Bis März 2013 haben wir noch Zeit, im Streit’s Filme zu sehen. Dann ist Schluss und der letzte Vorhang fällt. Überraschend kam es nicht, immerhin war das Ende angekündigt, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Unterschriften wurden gesammelt, die Betreiber des Kinos führten Verhandlungen — nichts half. Der Vermieter will zu viel Geld haben. Zwar ist das Streit’s immer gut besucht, vor allem die Sneaks-Preview am Montag ist stets ausverkauft, aber bei den Forderungen des Vermieters lässt sich nicht mithalten.

Alles muss raus

Mobiliar, Projektor, Lüftung, sogar die Lounge muss raus. Christoph und Peter Reimers von der Streit’s Grundstücksgesellschaft wollen kein Kino haben. Selbst die Versuche von Cinemaxx-Chef Flebbe aus dem Streit’s ein Premium-Kino zu machen, stießen auf taube Ohren. Sogar die Kulturbehörde soll sich eingeschaltet haben, doch der Vermieter hat ein „Einzelhandels-Konzept“ im Kopf. Wird das ehrwürdige Streit’s einem weiteren Budni-Laden weichen? Die können sich die Mieten bestimmt leisten.

Fotomontage: Streits-Haus mit eingebautem Budni-Logo
Sieht so die Zukunft des Streit’s-Hauses aus? Eine weitere Budni-Filiale in Hamburg? Am Jungfernstieg!?

Große Angst Abriss

Wohin mit dem Streit’s? Es ist derzeit das einzige Kino, das in dieser selbsternannten Weltstadt Filme im englischen Original spielt. Geht man über die Straßen von Hamburgs Innenstadt, hört man an allen Ecken englische Zungen. Die wollen doch in diesem „Tor zur Welt“ auch einmal ins Kino gehen. In meiner Firma haben wir viele englischsprachige Kollegen. Bedarf ist da! Wo soll man sich seine Portion „Original“ abholen?

Streit’s-Geschäftsführer Fock sucht für sein Kino neue Räume. Aber selbst wenn das Streit’s, das seit 1956 Filme zeigt, wie von mir vermutet in die Räumlichkeiten des ehemaligen Savoys am Steindamm zieht (erst 2014), wo gerade das Metropolis nach seinem Exil raus ist — es wäre nicht das Selbe. Zum einen: Wer will „hinter den Hauptbahnhof“, in diese Schmuddelecke, um einen englischen Film zu sehen? Und davon abgesehen wäre es nicht richtig. Das Streit’s-Kino gehört ins Streit’s-Haus! Punkt. Ende.

Nun könnten die Brüder natürlich auch den ultimativen Overkill verursachen und das ehrwürdige Gebäude – hier wurde 1841 das erste Mal das Deutschlandlied öffentlich gesungen – einfach komplett abreißen. Leider steht das Gebäude nicht unter Denkmalschutz. Das wäre sogar noch eine schlimme Tat oben drauf. Und die Reimers-Brüder dürften sich gewiss sein, dass sie das erst recht zu Buhmännern machen würde.

Danach hätten sie keine Freunde mehr …

Es ist extrem schade, dass das Streit’s gehen muss. Genauer: Es ist eine Schande!

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