Filmtrailer nehmen einem die Spannung

Lasst mich Euch erzählen, wie das “damals” war. Damals haben wir über die Hörzu erfahren, dass ein neuer Film in die Kinos kommt. Oder man gab ein wenig Geld aus und holte sich die Cinema. Hatte man die Cinema, hatte man schon weit im Voraus Informationen über Filme, die da aus Hollywood kommen würden. “Weit im Voraus” waren dann ein paar Wochen, wenn es hoch kam zwei Monate. Alles in schriftlicher Form. Vielleicht waren noch ein paar Szenenbilder dabei. Irgendwann dann sah man einen Trailer im Kino.

Heute ist das anders. Heute leben wir in einer Zeit der Informationsflut. Der Filminteressierte sieht Teaser im Internet, gefolgt von Trailern. Manchmal leaken Teaser auch schon vorher — ins Internet. Es folgen Internetseiten mit Trailern, Fotos, einer Synopsis und die Charaktere werden vorgestellt. Teilweise erscheinen die Internetseiten schon ein Jahr vor dem Kinogang. Es gibt sogar Twitter-Accounts und Fratzenbuch-Seiten für einen Film.

Zu viel Informationen

In diesem Jahr gibt es einige Filme, auf die man sich freut, Filme, die von der Fangemeinde heiß ersehnt werden. Das sind neben den Avengers, The Dark Knight Rises, Der kleine Hobbit und auch Prometheus.

Ridley Scott, der uns den ersten Alien-Film präsentierte, geht an seine Wurzeln zurück und zeigt uns die Vorgeschichte zu Alien. Natürlich alles ein wenig weniger “gritty” und mehr “shiny”. Mit dabei sind u.a. die Rampensau Michael Fassbender, der momentan in jedem zweiten FIlm mitspielt, Noomi Rapace, die wir aus Verblendung kennen, aber auch Charlize Theron, Guy Pearce oder Idris Elba (Thor).

Ridley Scott — bzw. wohl eher 20th Century Fox — haben nun seit einiger Zeit Trailer ohne Ende rausgegeben. Zuerst gab es Szenenbilder, dann einen Teaser, mehr Bilder, der erste Trailer, mehr Trailer und mehr Trailer … Ganz zu Recht macht man sich mittlerweile darüber lustig, dass man, wenn man nur alle Trailer zusammenschneiden würde, den gesamten Film erhielte.

Screenshot eines Tweets von @manmademoon@ManMadeMoon über Prometheus: Finished stitching all the Prometheus trailers together. Film was great!

Screenshot eines Tweets von @phelimo@Phelimo über Prometheus: The only surprise left in Prometheus is what order the actors names are in the credits. Can’t wait to find out!

Mittlerweile bleibe ich beim Teaser. Vielleicht noch den ersten Trailer, aber mehr verdirbt den Spaß. Bleibt die Frage, wieso die Filmstudios im Vorfeld so enorm viel von ihren Filmen preisgeben? Machen sie es, weil sie Spaß daran haben? Wohl kaum. Dann vermutlich, um die potenziellen Kunden mehr “anzufixen”. Klar, die Filme sind in der Produktion teuer, das wirkt sich auf die Eintrittspreise aus, die schweineteuer sind — da muss man als Kunde ausreichend informiert sein, bevor man das Ticket schluckt. Nur verdirbt einem das den Spaß. Bei einem Auto kann ich das verstehen, dass ich ausreichend Testfahrten vor dem Kauf unternehmen möchte, aber bei einem Film?

Ich finde es schade, dass Filme heutzutage im Vorfeld schon so sehr ausgeschlachtet werden. Früher war besser, weil früher mehr Spannung da war.

Informationen zum Film auf allen Kanälen

Es sind aber nicht nur die Filmfirmen, die uns mit Informationen und Vorbildern oder -videos “beglücken”. Wir leben in einer extrem technisierten Welt. Alles wird mit dem Mobiltelefon entweder als Foto oder als Video festgehalten. Im Falle von The Dark Knight Rises haben wir bereits letztes Jahr Filmmaterial und Fotos gesehen, die von Passanten, also Unbeteiligten aufgenommen wurden. Da sah man das Batwing bereits fliegen oder andere Szenen. Natürlich aus unmöglichen Perspektiven, aber wir erhielten schon Infos zum Film.

Das habe ich auch aufgegeben. Ich möchte mir schlicht und ergreifend nicht die Spannung nehmen lassen.

Damals war besser.

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Twitter und Co. im Kino erlauben?

Im Land der Traumindustrie, Amerika, denken Kinoketten-Besitzer allen Ernstes darüber nach, den Gebrauch von Mobiltelefonen zu erlauben. Soll heißen, man gibt viel Geld aus, um sich einen Film anzuschauen. Wie bereits beschrieben, gibt es mittlerweile gute Gründe nicht ins Kino zu gehen. Aber sagen wir, man sich doch entschlossen und gibt viel Geld aus, um “dieses besondere Feeling” zu haben — da leuchtet es auf einmal hell neben einem auf. Und vor einem ebenso.

Geht gar nicht!

Die Kettenbetreiber argumentieren, man könne das SMSen oder den Gebrauch von Twitter und Co. zulassen. Man wolle eine jüngere Klientel ins Kino holen. Und die — Achtung — sei es gewohnt, die Kontrolle über ihr eigenes Leben zu haben. Nimmt man den Kindern heutzutage das Mobiltelefon weg, würden diese sich handicapped, also behindert fühlen. Das wolle man natürlich nicht — somit: Lichter an im Kinosaal!

Ich bin da ganz auf der Seite von Tim League, dem CEO der Alamo Drafthouse Kinokette. Auf die Ansage, man wolle sich überlegen den Gebrauch von Mobiltelefonen im Kino zuzulassen entgegnete er:

Over my dead body will I introduce texting into the movie theater. I love the idea of playing around with a new concept. But that is the scourge of our industry… It’s our job to understand that this is a sacred space and we have to teach manners.

Guter Mann! Alamo Drafthouse — für die, die es nicht wissen — ist die Kette, die vor einiger Zeit eine Kunden des Kinos verwiesen hat, weil sie das Mobiltelefon während des Films benutzt hatte.

Keine Erziehung genossen

Die Benutzung von Mobiltelefonen ist eine Sucht. Von wegen “Kontrolle über ihr eigenes Leben” … Eher das genaue Gegenteil. Die jüngere Generation klebt an ihren Telefonen. Sie halten es ständig in der Hand oder haben es zumindest stets griffbereit. Unentwegt wird aufs Display geschaut. Habe ich etwas verpasst? Zwei Stunden mal “ohne” auskommen? Kaum mehr möglich. Ich spreche übrigens bewusst nicht nur von “die Jugend”, kenne ich doch auch genügend Mittdreißiger, die Sklaven ihres Mobiltelefons sind.

Neben der Abhängigkeit der Mobiltelefonnutzer, kann man es auch so sehen wie Britt Hayes: Die “Kontrolle über das eigene Leben” könne ganz einfach daher rühren, weil die jungen Leute schlicht und ergreifend von ihren Eltern keine Manieren beigebracht bekommen haben. Deswegen solle man jetzt dahin gehen und denen einfach alles erlauben!? Nein. Das ist übrigens wie mit unserem Schulsystem: Die Eltern kümmern sich nicht um die Kinder, können diese nicht erziehen, also sagen sie “Schule, mach das für uns!”, dabei haben Schulen keinen Erziehungsauftrag, sondern nur einen Lehrauftrag. Das nur mal am Rande …

Also: Wenn man schon tief in die Tasche greift, um doch mal einen Film im Kino zu sehen, dann bitte störungsfrei! Keine kleinen Taschenlampen hier und da in den Reihen. Das ist extrem unhöflich, weil es stört. Nebenbei erwähnt, hat man als Filminteressierter auch das Gefühl, die Mobiltelefonnutzer würden den gezeigten Film nicht gut finden. Scheinen wohl kein Interesse an dem Streifen zu haben. Ja, dann geht doch raus! Bleibt zuhause. Da stört Ihr niemanden.

Bleibt einfach zuhause. Da könnt Ihr ständig auf Eurer Telefon schauen, twittern, Fratzenbuch benutzen, SMS schreiben, Euch unterhalten, Chips essen, dumme Sprüche ablassen. Das alles könnt Ihr machen. In Euren eigenen vier Wänden!

Eine “Kinokrise” kann man nicht dadurch abwenden, indem man alle Regeln eines guten Miteinanders über Bord wirft. Zudem vergrault man damit nur noch die letzten “echten” Kinogänger. Und das sind meistens die, die bereits älter sind und noch etwas Geld im Portemonnaie haben …

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Das Fenster zum Hof im Zeitraffer

Manche Menschen haben zu viel Zeit. Und das ist gut so! Sonst gäbe es nicht solche Kleinode wie diesen Zeitraffer von Alfred Hitchcocks wunderbarem Klassiker Das Fenster zum Hof. Jimmy Stewart sitzt mit gebrochenem Bein am Fenster und beobachtet seinen Hinterhof. Wir können das nun auch und das in voller Breite genießen.

Jeff Desom hat den 112-Minuten-Streifen auf knappe drei Minuten zusammengedampft. Doch davon nicht genug, hat er auch noch mit Szenenbildern die Gesamtansicht des berühmten und belebten Innenhofes nachgebaut. Sehr schöne Idee.

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3. Monster machen mobil

Kinoleinwand mit dem Titel von Monster machen mobilNach dem gelungenen Vorspann gab es noch “Eigenwerbung”. Inklusive Sitzriese vor mir.

Ach, das war schön. Drei Tage lang schlechte Filme im Metropolis. Aber mit Liebe ausgewählt und präsentiert. Ralf Lorenz von Monstercon und Andreas Schiefler von Vintage Movie Posters organisierten zum dritten Mal das schaurig-schöne Monster machen mobil-Festival.

Plakat zum 3. Monster machen mobil-FestivalVor den Filmen gab es eine kleine persönliche Einführung durch die Kino-Experten, gefolgt von alten Trailern und einem Kurzfilm zur Einstimmung. Nicht zu vergessen der liebevoll gestaltete Vorspann (den ich gerne verlinken würde, aber dazu müsste er im Netz zu finden sein). Ich sage nur Riesen-Kaninchen!

Als ersten Film sahen wir den Auftakt-Streifen Sindbads gefährliche Abenteuer mit den animatronischen Monstern von Altmeister Ray Harryhausen. Vor diesem Film lernten wir noch, wie man damals, vor der DVD, ja sogar noch vor der VHS-Kassette einen Film in die heimischen vier Wände geholt hatte. Die Experten wussten zu berichten, dass damals abendfüllende Kinofilme a.) auf ca. 16 Minuten zusammen gedampft wurden und b.) diese Destillate dann für etwa 140 DM den Besitzer wechselten. Dann hatte man einen seltsamen Zusammenschnitt auf Super 8.

Zum Beweis, wie kurios die Früchte der Schnittkunst damals waren, gab es einige Minuten des kastrierten Sindbad und das Auge des Tigers. Nicht die vollen 16 Minuten, aber man bekam schnell einen Eindruck, wie verwirrend es sein kann, wenn man einen 113-Minuten-Film auf 16 Minuten kürzt.

Szenenfoto aus Der Mann ohne Körper von 1957Als zweiten und letzten Film sahen wir den vorletzten Beitrag des Festivals: Der Mann ohne Körper. Ein unglaublich schlechter Streifen, der so mies ist, dass man schon wieder drüber lachen muss. Wenn man am Ende denn noch wach ist.

Hier gab es im Vorfeld den bekannten Bugs Bunny-Cartoon Water, Water Every Hare, in dem Bugs Opfer eines verrückten Wissenschaftlers wird, der dem Hasen sein Gehirn entnehmen und einem Roboter einpflanzen will. Wir sehen, dass die Vorfilm-Auswahl absolut passend zum Hauptfilm war. Danke dafür!

Am Rande vom 3. Monster machen mobil-Festival

Nun waren wir nicht das gesamte Festival im Metropolis. Insgesamt wurden neun Monster- und SciFi-Filme gezeigt. Dabei war der Auftakt-Film mit Sindbad wohl noch der bekannteste. Wie man hörte, lief der Vorverkauf recht gut. Tatsächlich war bei beiden Vorstellungen, die wir besuchten, anschaulich viel Publikum im Saal. Etwas, das mich ja immer sehr freut. Nur nicht, wenn diese Leute Sitzriesen sind und sich direkt vor mir hinsetzen. Ein ganz seltsames Pärchen, das vermutlich gerade vom Campen kam, jedenfalls waren sie voll mit Sack und Pack unterwegs.

Eine weitere nette Anekdote vom 3. Monster machen mobil-Festival: Wie schon bei den Vorgängern auch, haben sich Schiefler und Lorenz wohl verkalkuliert, so dass am Sonntag keine Fritz Kola und kein Dithmarscher Bier mehr vorhanden waren. Ein Zeichen dafür, dass mehr Kinoliebhaber ins Metropolis strömten, als erwartet?

Wer schon einmal im neuen Metropolis — an beinahe alter Stelle — war, der weiß, dass man zwei Etagen hinabsteigen muss, um in den Kinosaal zu gelangen. Dort wo der Zugang zum Rang ist, befindet sich eine Art Café. Am Freitag, das Festival fing um 19 Uhr an, gab es dort Chilli con und sin Carne. Am Sonntag, die erste Vorstellung ging um 11.30 Uhr los, gab es Kaffee und Croissants. Eine Rund-um-Versorgung möchte man sagen.

Wir freuen uns auf jeden Fall auf das 4. Monster machen mobil — hoffentlich im nächsten Jahr. Dann mit mehr Kola und Bier und auch noch mehr Filmfreunde? Wobei ich ehrlich bin, wenn ich sage, dass ich schon gerne etwas bessere Qualität hätte. Der Mann ohne Körper war echt schlecht. Gerne B-Movies, aber nicht so viele C-Movies. Im Vorfeld zu diesem Schwarz-Weiß-Streifen von 1957 meinte Lorenz noch, dass er bereits in den ersten 20 Minuten eingeschlafen sei. Ich eher in den letzten 30 …

Egal. Mehr mobile Monster!

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Die schlimme Eiserne Lady

Filmplakat zu Die Eiserne LadyAnfang dieser Woche war eine Kollegin zu Besuch in Hamburg. Sie ist Britin. Da ich schon einmal mit ihr in der Sneak-Preview im Streit’s war und ihr das so gut gefallen hat, wollte sie auch dieses Mal wieder eine englisch-sprachige Sneak sehen. Nun ist es aufgrund des hohen Andrangs ziemlich aussichtslos, an einem Montag für den selben Tag Sneak-Karten im Streit’s zu bekommen. Zumal wir zu viert waren.

Da ich meinen auswärtigen Kollegen etwas bieten wollte, schaute ich schnell nach, was man denn sonst auf englisch schauen könne. Da das große “Tor zur Welt” aber nur ein englisch-sprachiges Kino hat, ist die Auswahl recht beschränkt. In der 17.30h-Vorstellung lief The Iron Lady mit der Oscar-prämierten Meryl Streep. Warum schauen wir uns den nicht an, schlug ich vor.

Alles was ich erntete, war ein heftiges Kopfschütteln. Nein, den könne sie sich nicht anschauen. Sie (die Engländer – und ich glaube, sie stammt aus Nord-England) hätten zu viel unter dieser Frau gelitten. Margaret Thatcher habe so viele Wunden dem Volk beigebracht und es musste so sehr leiden, das wolle meine Kollegin sich nicht antun. Das könne sie nicht. Nicht jetzt. Dafür seien die Wunden noch zu frisch.

Eine sehr heftige Reaktion. Hätte ich nicht erwartet.

So sind wir in die Sneak-Preview im UCI Mundsburg gegangen. Es gab Die Frau in Schwarz. Ich hätte gerne The Iron Lady gesehen …

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Superbad in Theorie und Praxis

Erinnert Ihr Euch noch an Superbad mit Jonah Hill und Michael Cera? Und da an die Sexszene von Cera und Co-Schauspielerin Martha MacIsaac? Das war so alles gar nicht geplant. Schauspieler halten sich nicht immer ans Skript. Bevor es vor die Kamera geht, gibt es gemeinsame Leserunden, in denen noch vom Skript abgelesen wird. In diesen Runden wird schon mal ein Gefühl für die kommende Szene eingefangen.

Hier die Leserunde zu der besagten Sexszene, in der Martha MacIsaacs Figur strunzbetrunken ist:

Und hier die improvisierte, abgewandelte Szene aus dem Film:

Ich mag die Vorleserunde. So ungekünstelt. Die lesen und lachen dabei, weil sie es selber komisch finden.

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